Migräne-Operation: Für wen kommt sie infrage und wie läuft sie ab?
Migräne ist eine neurologische Erkrankung. Neben wiederkehrenden Kopfschmerzen können Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit sowie Seh- oder Empfindungsstörungen auftreten. Häufigkeit und Stärke der Attacken unterscheiden sich von Mensch zu Mensch. Bei manchen Betroffenen beeinträchtigen sie Alltag, Beruf, Schlaf und soziale Aktivitäten erheblich.
Am Anfang der Behandlung stehen eine neurologische Abklärung und eine individuell abgestimmte medikamentöse sowie vorbeugende Therapie. Bei einigen Betroffenen halten die Attacken jedoch trotz verschiedener Behandlungsversuche an. Andere können bestimmte Therapien wegen ihrer Nebenwirkungen nicht ausreichend nutzen.
Die Migränechirurgie ist ein operativer Ansatz, der bei ausgewählten Patienten mit therapieresistenten Beschwerden und klinisch nachweisbaren peripheren Triggerregionen erwogen werden kann. Dabei wird nicht am Gehirn operiert. Untersucht wird vielmehr das Verhältnis bestimmter sensibler Nerven im Kopf- und Halsbereich zu Muskeln, Faszien, Gefäßen, Knochen und anderen Strukturen. Ziel ist es, bei geeigneten Patienten einen möglichen Druck auf diese Nerven zu vermindern.
Eine Migräne-Operation kommt nicht für alle Menschen mit Migräne infrage. Vor einer Entscheidung müssen die Diagnose bestätigt, bisherige Behandlungen geprüft und die peripheren Regionen, in denen der Schmerz beginnt, möglichst genau bestimmt werden. Auch in der chirurgischen Fachliteratur gelten die sorgfältige Patientenauswahl und die richtige Zuordnung der Triggerregionen als wesentliche Voraussetzungen.
Was ist Migräne?
Migräne lässt sich nicht auf starke Kopfschmerzen reduzieren. Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- oder Geräuschempfindlichkeit können hinzukommen. Manche Betroffene erleben außerdem eine Aura mit visuellen, sensiblen oder anderen neurologischen Symptomen vor oder während der Kopfschmerzen.
Die Attacken unterscheiden sich in Häufigkeit, Dauer, Stärke und Ausgangspunkt. Für die operative Abklärung ist das besonders wichtig: Die Diagnose Migräne allein reicht nicht aus, um eine Operation an peripheren Triggerregionen zu begründen. Zusätzlich werden der Beginn und die Ausbreitung der Schmerzen sowie ein möglicher Zusammenhang mit peripheren Nerven untersucht.
Nicht jeder wiederkehrende Kopfschmerz ist eine Migräne. Vor einer chirurgischen Beurteilung muss deshalb die neurologische Diagnose geklärt werden. Bei Bedarf sind andere Kopfschmerzursachen auszuschließen.
Was versteht man unter Migränechirurgie?
In der Fachliteratur werden dafür unter anderem die Begriffe „migraine surgery“, „trigger site surgery“, „trigger site deactivation“ und „peripheral nerve decompression“, also periphere Nervendekompression, verwendet.
Dem Ansatz liegt die Annahme zugrunde, dass bei manchen Migränepatienten ein Kontakt oder eine Einengung peripherer sensibler Nerven durch benachbarte Muskeln, Faszien, Gefäße oder Knochen im Kopf- und Halsbereich zur Entstehung oder Verstärkung der Schmerzen beitragen kann.
Die Operation zielt daher nicht darauf ab, ein einziges „Migränezentrum“ zu beseitigen. In den individuell ermittelten Triggerregionen wird der anatomische Verlauf des jeweiligen Nervs untersucht. Liegt eine für die Operation relevante Druck- oder Kontaktsituation vor, kann eine Dekompression erwogen werden.
In der wissenschaftlichen Literatur sind mehrere Triggerregionen und unterschiedliche periphere Nerven beschrieben. Bei der chirurgischen Abklärung werden häufig sechs Hauptregionen betrachtet.
Wird bei einer Migräne-Operation am Gehirn operiert?
Nein. Eine Migräne-Operation ist kein Eingriff am Hirngewebe.
Behandelt werden periphere sensible Nerven im Kopf- und Halsbereich und ihre umgebenden anatomischen Strukturen. Der Begriff „Migräne-Operation“ bedeutet daher nicht, dass das Gehirn eröffnet oder Hirngewebe operiert wird.
Welche Region für eine Behandlung infrage kommt, hängt davon ab, wo die Schmerzen beginnen und welche peripheren Triggerregionen festgestellt werden.
Die sechs wichtigsten Triggerregionen bei Migräne
Die genaue Bestimmung der Triggerregion gehört zu den wichtigsten Schritten der chirurgischen Abklärung.
Entscheidend ist nicht nur, wo der Schmerz empfunden wird, sondern auch, wo er beginnt und in welche Richtung er sich ausbreitet. Manche Patienten haben eine vorherrschende Triggerregion, bei anderen sind mehrere Regionen gleichzeitig aktiv.
Im Kopf- und Halsbereich werden häufig folgende sechs Hauptregionen chirurgisch beurteilt:
- Frontalregion – Stirn
- Zygomaticotemporale Region – Schläfe
- Rhinogene oder septonasale Region – Naseninneres
- Region des großen Okzipitalnervs – mittlerer Nackenbereich
- Auriculotemporale Region – vor dem Ohr und an der Schläfe
- Region des kleinen Okzipitalnervs – seitlicher Nackenbereich
1. Frontale Triggerregion: Schmerzen an der Stirn
Bei einer frontalen Triggerregion können die Schmerzen im Bereich der Augenbrauen, an der Stirn oder hinter dem Auge beginnen.
Hier sind insbesondere der Supraorbitalnerv und der Supratrochlearisnerv von Bedeutung. Auf ihrem Weg zur Stirn stehen sie in engem Verhältnis zu Muskelgewebe, Faszien und knöchernen Durchtrittsstellen.
Der Nervenverlauf kann sich von Patient zu Patient unterscheiden, insbesondere dort, wo die Nerven durch oder nahe an Muskeln für das Zusammenziehen der Augenbrauen verlaufen, etwa dem Musculus corrugator supercilii. Zwei Menschen mit derselben Migränediagnose können deshalb eine unterschiedliche Triggeranatomie aufweisen.
Bei der Beurteilung werden der Ausgangspunkt des Schmerzes, Druckempfindlichkeit an Augenbrauen und Stirn, die Schmerzausbreitung und die Krankengeschichte gemeinsam betrachtet.
Bei geeigneten Patienten soll die Operation mögliche Engstellen um den Supraorbital- und Supratrochlearisnerv vermindern und den Nerven mehr Raum verschaffen.
2. Zygomaticotemporale Triggerregion: Schmerzen an der Schläfe
Beginnt der Migräneschmerz an der Schläfe, werden die peripheren Nerven in dieser Region untersucht.
Eine wichtige Struktur ist der Nervus zygomaticotemporalis. Er geht aus dem Oberkieferast des Trigeminusnervs hervor. Sein Verlauf durch Muskeln und Faszien der Schläfenregion kann bei manchen Patienten Teil eines peripheren Auslösemechanismus sein.
Der Schmerz kann an der Schläfe beginnen und in benachbarte Bereiche ausstrahlen. Die genaue Beschreibung des Ausgangspunkts hilft dabei, die Triggerregion einzugrenzen.
Nicht jeder Migräneschmerz an der Schläfe hängt mit demselben Nerv zusammen. Für die Operationsplanung ist es besonders wichtig, die zygomaticotemporale Region vom Auriculotemporalnerv vor dem Ohr zu unterscheiden. Neuere Arbeiten zur temporalen Migräne beschreiben auch Algorithmen zur klinischen Abgrenzung dieser beiden peripheren Triggerregionen.
3. Rhinogene oder septonasale Triggerregion
Bei manchen Patienten beginnen die Schmerzen hinter dem Auge oder im mittleren Gesichtsbereich. In diesen Fällen können auch anatomische Kontaktstellen im Naseninneren untersucht werden.
Bei ausgewählten Patienten werden eine Nasenscheidewandverkrümmung, die Nasenmuscheln oder Kontakte zwischen anderen Strukturen im Naseninneren als mögliche rhinogene Trigger geprüft.
Eine verkrümmte Nasenscheidewand allein ist jedoch kein Grund für eine Migräne-Operation. Ob eine anatomische Besonderheit der Nase mit der Migräne zusammenhängt, muss gemeinsam mit dem Schmerzmuster und den übrigen klinischen Befunden beurteilt werden.
Bei bestimmten Patienten mit retroorbitalen, also hinter dem Auge beginnenden Schmerzen kann die Abklärung eine Untersuchung intranasaler Kontaktstellen und, falls erforderlich, eine Bildgebung der Nase und der Nasennebenhöhlenregion umfassen.
4. Triggerregion des großen Okzipitalnervs: Schmerzen vom Nacken aus
Bei Migräneschmerzen, die am Hinterkopf oder am Nackenansatz beginnen, ist der große Okzipitalnerv, Nervus occipitalis major, eine wichtige periphere Struktur.
Dieser Nerv zieht durch Nackenmuskeln und Faszien zur Kopfhaut. Dabei kann er in engem Kontakt zu Muskeln, Bindegewebe oder Gefäßen stehen.
Patienten mit einer okzipitalen Triggerregion beschreiben mitunter Schmerzen, die vom Nackenansatz zum Hinterkopf, zum Scheitel oder weiter nach vorn ausstrahlen.
Wichtig ist die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen, etwa einer Okzipitalneuralgie oder einem zervikogenen Kopfschmerz. Nicht jeder Nackenschmerz bedeutet eine Migräne mit peripherem Trigger.
Bei geeigneten Patienten kann eine operative Dekompression geplant werden, um mögliche Engstellen um den großen Okzipitalnerv zu lösen.
5. Auriculotemporale Triggerregion
Der Auriculotemporalnerv ist ein weiterer wichtiger peripherer Nerv der Schläfenregion. Er kann insbesondere bei Schmerzen zwischen dem Bereich vor dem Ohr und der Schläfe untersucht werden.
Der Nerv kann eng neben der oberflächlichen Schläfenarterie und ihren Ästen verlaufen. Bei manchen Patienten ist diese Nachbarschaft am Punkt der stärksten Schmerzen klinisch relevant.
Zur Beurteilung kann der Patient den Ausgangspunkt der Schmerzen zeigen; mit einem Handdoppler lässt sich dort nach einem Gefäßsignal suchen. Eine Studie berichtete, dass ein positives Dopplersignal am Punkt der stärksten Schmerzen eng mit dem intraoperativen Nachweis einer Arterie an derselben Stelle übereinstimmte.
Die auriculotemporale Region ist ein anderes anatomisches Ziel als die zygomaticotemporale Triggerregion. Eine genaue Unterscheidung ist deshalb für die Operationsplanung wichtig.
6. Triggerregion des kleinen Okzipitalnervs
Bei Schmerzen, die weiter seitlich im Nacken beginnen, kann der kleine Okzipitalnerv, Nervus occipitalis minor, untersucht werden.
Er verläuft weiter seitlich als der große Okzipitalnerv. Er kann insbesondere dann von Bedeutung sein, wenn Schmerzen vom seitlichen Nacken hinter das Ohr oder zum seitlichen Hinterkopf ausstrahlen.
Die Triggerregion des kleinen Okzipitalnervs kann bei manchen Patienten allein, bei anderen gemeinsam mit der Region des großen Okzipitalnervs oder weiteren Triggerregionen aktiv sein.
Neuere anatomische Arbeiten weisen darauf hin, dass neben dem großen und kleinen Okzipitalnerv bei manchen Patienten auch der dritte Okzipitalnerv chirurgisch relevant sein kann.
Wie wird die Eignung für eine Migräne-Operation geprüft?
Die sorgfältige Auswahl geeigneter Patienten ist ebenso wichtig wie die Operationstechnik.
Bei Dr. Ali Bal können je nach klinischer Situation verschiedene diagnostische Methoden kombiniert werden. Ziel ist nicht, aus einem einzelnen Test eine Entscheidung für oder gegen eine Operation abzuleiten. Vielmehr werden unterschiedliche Befunde zusammengeführt, um das periphere Triggermuster zu verstehen.
Bestätigung der neurologischen Diagnose
Zunächst muss die Migränediagnose neurologisch bestätigt sein.
Da andere Kopfschmerzerkrankungen ähnliche Symptome verursachen können, reicht die Stärke der Kopfschmerzen allein für eine chirurgische Beurteilung nicht aus.
Migräneanamnese und Schmerzkartierung
Folgende Merkmale der Schmerzen werden ausführlich erfragt:
- wo sie beginnen und in welche Richtung sie ausstrahlen;
- wie lange sie anhalten und wie häufig sie auftreten;
- wodurch sie ausgelöst werden;
- welche Bereiche druckempfindlich sind.
Es kann hilfreich sein, den Ausgangspunkt direkt zu zeigen oder den Schmerzverlauf in eine Kopfskizze einzuzeichnen. Studien weisen darauf hin, dass solche Schmerzzeichnungen die Patientenauswahl unterstützen können.
Körperliche Untersuchung
In der frontalen, temporalen, auriculotemporalen und okzipitalen Region werden die Ausgangspunkte der Schmerzen und druckempfindliche Bereiche untersucht.
Ein Schmerzmuster, das zum anatomischen Verlauf eines peripheren Nervs passt, ist einer der Hinweise zur Bestimmung einer Triggerregion.
Untersuchung mit dem Handdoppler
Ein Handdoppler kann insbesondere dort eingesetzt werden, wo ein Zusammenhang zwischen einem Nerv und einem Blutgefäß vermutet wird.
Die Doppleruntersuchung kann helfen, eine Arterie im Bereich des Schmerzbeginns oder der Druckempfindlichkeit nachzuweisen und zu lokalisieren. Sie wird besonders zur Untersuchung der Beziehung zwischen Auriculotemporalnerv und oberflächlicher Schläfenarterie verwendet.
Nervenblockade mit einem Lokalanästhetikum
An einem verdächtigen peripheren Nerv kann ein örtliches Betäubungsmittel eingesetzt werden, um dessen vorübergehenden Einfluss auf die Schmerzen zu beurteilen.
Nehmen die Schmerzen nach einer Nervenblockade während einer Migräneattacke deutlich ab, kann dies die Einschätzung der Region als möglichen Trigger unterstützen.
Klinische Studien zeigen, dass periphere Nervenblockaden bei der Bestimmung operativer Zielregionen helfen können. Das Ergebnis muss jedoch immer zusammen mit den übrigen klinischen Befunden beurteilt werden.
Abklärung mit Botulinumtoxin (Botox)
Botulinumtoxin kann eingesetzt werden, wenn während der Untersuchung keine akuten Schmerzen bestehen oder die Bedeutung einzelner Triggerregionen näher geprüft werden soll.
Nehmen Häufigkeit oder Stärke der Attacken in einer bestimmten Region nach Botox ab, kann dies zusätzliche Informationen für die chirurgische Beurteilung liefern. Einige Studien berichten über einen möglichen Zusammenhang zwischen einer positiven Botox-Reaktion und dem Ansprechen auf eine Operation.
Wichtig: Eine positive Reaktion auf Botox beweist für sich allein keine Nervenkompression und garantiert keinen Operationserfolg.
Migränetagebuch
Ein Migränetagebuch hilft dabei, monatliche Kopfschmerztage, Dauer und Stärke der Attacken, Medikamenteneinnahme und mögliche Auslöser objektiver zu erfassen.
Ein vor der Operation geführtes Tagebuch erleichtert außerdem die Beurteilung späterer Veränderungen. Auch in frühen Studien zur Migränechirurgie wurden ausführliche Kopfschmerztagebücher verwendet.
Für wen kann eine Migräne-Operation infrage kommen?
Eine Migräne-Operation ist nicht für alle Betroffenen geeignet. Eine chirurgische Abklärung kann insbesondere bei ausgewählten Patienten mit folgenden Merkmalen erwogen werden:
- eine neurologisch bestätigte Migränediagnose;
- geeignete medikamentöse und vorbeugende Behandlungen wurden geprüft;
- trotz Behandlung bestehen weiterhin Attacken, die die Lebensqualität beeinträchtigen;
- bestimmte Therapien werden wegen ihrer Nebenwirkungen nicht ausreichend vertragen;
- das Schmerzmuster kann klinisch zu bestimmten peripheren Triggerregionen passen.
Auch die chirurgische Fachliteratur betont die sorgfältige Patientenauswahl und bei Bedarf die Zusammenarbeit mit Neurologen oder Kopfschmerzspezialisten.
Wann kann eine Migräne-Operation ungeeignet sein?
Bei der chirurgischen Abklärung lautet die entscheidende Frage nicht nur, ob eine Migräne vorliegt.
Vielmehr wird geprüft, ob es ausreichende klinische Hinweise auf eine periphere Triggerregion gibt, die zum Schmerz beiträgt und operativ behandelt werden könnte.
Ist die Migränediagnose unklar, wird eine andere Kopfschmerzerkrankung vermutet oder finden sich keine passenden klinischen Hinweise auf eine periphere Triggerregion, kann eine Operation ungeeignet sein.
Zusätzlich werden der allgemeine Gesundheitszustand, aktuelle Medikamente, frühere Operationen sowie individuelle Narkose- und Operationsrisiken berücksichtigt.
Wie wird eine Migräne-Operation durchgeführt?
Die Migränechirurgie umfasst keinen einheitlichen Eingriff, der bei allen Patienten gleich abläuft.
Die Operationsplanung richtet sich danach, welche Triggerregion oder welche Regionen aktiv sind.
Bei einem Patienten kann die Behandlung der Stirnregion allein ausreichen. Bei einem anderen müssen möglicherweise mehrere Regionen gemeinsam beurteilt werden, etwa Stirn und Hinterkopf oder die temporale und auriculotemporale Region.
Zu den heutigen Verfahren gehören sowohl endoskopische als auch offene Operationstechniken an peripheren Nerven.
Operation an der frontalen Triggerregion
Ziel ist es, mögliche Engstellen um den Supraorbital- und Supratrochlearisnerv zu lösen.
Bei geeigneten Patienten kann endoskopisch operiert werden. Je nach Anatomie und Operationsplanung kommen in bestimmten Fällen auch andere Zugänge über die Oberlidfalte infrage.
Die peripheren Nerven sollen von möglichem Druck durch benachbarte Muskeln, Faszien oder Knochenstrukturen entlastet werden.
Operation an der zygomaticotemporalen Triggerregion
Die zygomaticotemporale Region kann in geeigneten Fällen endoskopisch behandelt werden.
Die Anatomie der peripheren Nerven an der Schläfe wird untersucht. Der Eingriff richtet sich nach dem Verhältnis des betreffenden Nervs zu den umgebenden Geweben.
Operation an der auriculotemporalen Triggerregion
In dieser Region ist das Verhältnis des Nervs zur oberflächlichen Schläfenarterie und zum umliegenden Gewebe besonders wichtig.
Bei einem direkten operativen Zugang können der Ausgangspunkt der Schmerzen und die mit Doppler erkannten Gefäße die Planung unterstützen. In der Literatur sind auch direkte operative Verfahren unter örtlicher Betäubung beschrieben.
Operation am großen Okzipitalnerv
Bei diesem Eingriff wird der anatomische Verlauf des großen Okzipitalnervs im Nackenbereich verfolgt.
Bestehen Engstellen durch Muskeln, Faszien, Bindegewebe oder Gefäße, kann eine Freilegung und Entlastung des Nervs geplant werden.
Wenn möglich, wird der Schnitt an einer geeigneten Stelle innerhalb der behaarten Kopfhaut angelegt.
Operation am kleinen Okzipitalnerv
Bei der Dekompression des kleinen Okzipitalnervs wird die Nervenanatomie im weiter seitlich gelegenen Nackenbereich beurteilt.
Der Zugang und die Lage des Schnitts richten sich nach der Triggerregion und den anatomischen Besonderheiten des Patienten.
Operation an rhinogenen Triggerregionen
Bei Triggerregionen im Nasenbereich kann der Eingriff durch das Naseninnere erfolgen.
In ausgewählten Fällen können Kontaktstellen etwa an Nasenscheidewand oder Nasenmuscheln behandelt werden, wenn ein Zusammenhang mit dem individuellen Migränemuster vermutet wird.
Dabei ist entscheidend, nicht jede anatomische Besonderheit im Naseninneren als Migräneursache anzusehen.
Welche Anästhesie wird eingesetzt?
Das Anästhesieverfahren richtet sich nach den zu behandelnden Triggerregionen und dem Umfang des Eingriffs.
Je nach Operationsplan kommen örtliche Betäubung, örtliche Betäubung mit Sedierung oder Vollnarkose infrage.
Ein begrenzter Eingriff an einer einzelnen peripheren Region kann andere Anforderungen an die Anästhesie stellen als die Behandlung mehrerer Triggerregionen in einer Sitzung. In der Literatur finden sich auch Operationsserien mit peripherer Nervendekompression unter örtlicher Betäubung.
Dr. Ali Bal legt das Anästhesieverfahren individuell anhand des Operationsplans und des allgemeinen Gesundheitszustands fest.
Vorbereitung auf die Operation
Informieren Sie Ihren Arzt vor dem Eingriff über alle verschreibungspflichtigen Medikamente, Mittel mit möglicher blutverdünnender Wirkung, Vitamine, pflanzlichen Präparate und sonstigen Nahrungsergänzungsmittel.
Setzen Sie Medikamente nur nach Rücksprache mit dem zuständigen Arzt ab und ändern Sie die Dosierung nicht eigenständig.
Auch Rauchen, bekannte Erkrankungen, Allergien und frühere Operationen werden bei der Planung berücksichtigt.
Abhängig vom vorgesehenen Anästhesieverfahren erhalten Sie gesonderte Hinweise zu notwendigen Untersuchungen, Nüchternheitszeiten und der Vorbereitung am Operationstag.
Wie lange dauert eine Migräne-Operation?
Es gibt keine einheitliche Operationsdauer für alle Patienten. Sie kann von der Anzahl und Lage der aktiven Triggerregionen, dem endoskopischen oder offenen Vorgehen und dem Umfang der in einer Sitzung geplanten Eingriffe abhängen.
Eine genauere Einschätzung ist möglich, nachdem die Triggerregionen bestimmt wurden und der Operationsplan feststeht.
Erholung nach einer Migräne-Operation
Der Heilungsverlauf hängt vom Umfang des Eingriffs, den behandelten Regionen und den individuellen Eigenschaften der Gewebeheilung ab.
In der ersten Zeit können an den operierten Stellen Schwellungen, Druckempfindlichkeit, Spannungsgefühl, Blutergüsse, vorübergehende Taubheit oder Kribbeln auftreten.
Die Rückkehr zu alltäglichen Aktivitäten erfolgt kontrolliert und schrittweise.
Die Heilung des operierten Gewebes und die Beurteilung der längerfristigen Wirkung auf die Migräne sind unterschiedliche Prozesse.
Schwellungen und Druckempfindlichkeit können innerhalb einiger Wochen nachlassen. Um Veränderungen der Migränehäufigkeit und -stärke zu beurteilen, kann jedoch eine längere Nachbeobachtung erforderlich sein.
Wann lässt sich das Ergebnis beurteilen?
Das Ergebnis wird nicht allein anhand der ersten Tage nach der Operation beurteilt.
Bei den Kontrollen können mehrere Kriterien erfasst werden: monatliche Migränetage, Häufigkeit, Stärke und Dauer der Attacken, Medikamentenbedarf und Auswirkungen auf den Alltag.
Viele chirurgische Studien beurteilen die Ergebnisse über längere Zeiträume, beispielsweise nach sechs und zwölf Monaten.
Das vor der Operation begonnene Migränetagebuch auch danach weiterzuführen, kann den Vergleich erleichtern.
Können mehrere Triggerregionen gleichzeitig bestehen?
Ja. Bei manchen Patienten steht eine periphere Region im Vordergrund, bei anderen sind mehrere Triggerregionen gleichzeitig vorhanden.
Nach der Behandlung einer dominanten Region kann außerdem eine zuvor weniger auffällige zweite Region deutlicher hervortreten.
In einer Studie mit 185 Patienten wurde berichtet, dass nach der Operation bei einem Teil der Patienten zuvor nicht erkennbare sekundäre Triggerregionen auftraten.
Dies ist einer der Gründe, weshalb nicht bei allen Patienten derselbe standardisierte Eingriff an einem einzigen anatomischen Punkt vorgenommen wird.
Risiken und mögliche Komplikationen
Wie jeder operative Eingriff ist auch die Migränechirurgie mit möglichen Risiken verbunden. Abhängig von Region und Technik wurden in der Literatur folgende Komplikationen beschrieben:
- Taubheit, Kribbeln und vorübergehende Empfindungsstörungen;
- Druckempfindlichkeit oder Juckreiz;
- vorübergehender Haarausfall an der Kopfhaut;
- Hämatome, Asymmetrien oder Wundheilungsstörungen;
- Infektionen;
- selten nervenbedingte Schmerzen oder ein Neurom.
Darüber hinaus können Migräneattacken fortbestehen, weniger stark als erwartet zurückgehen oder andere Triggerregionen deutlicher werden.
Das persönliche Risikoprofil muss anhand des Operationsumfangs und der individuellen Anatomie beurteilt werden.
Wie erfolgreich ist eine Migräne-Operation?
Eine einzige, verlässliche Erfolgsquote für alle Patienten anzugeben, wäre nicht zutreffend.
Studien unterscheiden sich hinsichtlich Patientenauswahl, Operationstechnik, behandelter Triggerregionen, Erfolgsdefinition und Nachbeobachtungsdauer.
Manche Untersuchungen definieren beispielsweise eine Abnahme der Migränestärke oder -häufigkeit um mindestens 50 % als Erfolg. Andere bewerten das vollständige Ausbleiben von Migräne gesondert. Prozentangaben aus unterschiedlichen Studien direkt zu vergleichen, kann deshalb irreführend sein.
Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse zu 627 Patienten berichtete, dass bei 38 % der ausgewählten operierten Patienten nach sechs bis zwölf Monaten keine Migränekopfschmerzen mehr auftraten. Die Forschenden betonten zugleich ausdrücklich, dass aussagekräftigere Studien mit längerer Nachbeobachtung erforderlich sind.
Im Gespräch mit Dr. Ali Bal werden deshalb die persönlichen Erwartungen, ein möglicher Nutzen und die Grenzen des Verfahrens einzeln besprochen.
Was unterscheidet Migränechirurgie von Botox?
Eine Behandlung mit Botulinumtoxin und eine Migräne-Operation sind unterschiedliche Verfahren.
Botulinumtoxin ist eine medikamentöse Behandlung, die bei geeigneten Patienten mit chronischer Migräne eingesetzt wird und zeitlich begrenzt wirkt.
Die Migränechirurgie befasst sich dagegen bei ausgewählten Patienten mit anatomischen peripheren Triggerregionen und der operativen Verminderung möglicher Druckstellen an dafür geeigneten Nerven.
Botox kann bei manchen Patienten auch Teil der Triggerabklärung vor einer Operation sein. Ein positives Ansprechen liefert möglicherweise zusätzliche Hinweise, bedeutet jedoch nicht, dass ein bestimmtes Operationsergebnis sicher erreicht wird.
Ersetzt die Operation die medikamentöse Migränebehandlung?
Eine Migräne-Operation ersetzt nicht bei allen Menschen mit Migräne die medikamentöse Behandlung.
Grundlage bleiben die nach neurologischer Abklärung geplanten Therapien. Ein operatives Vorgehen wird eher dann erwogen, wenn trotz Prüfung geeigneter Behandlungen Beschwerden fortbestehen und bestimmte periphere Triggerregionen für eine chirurgische Behandlung geeignet erscheinen.
Ob Migränemedikamente nach dem Eingriff reduziert, verändert oder abgesetzt werden können, muss gemeinsam mit dem zuständigen Arzt entschieden werden.
Bleiben nach einer Migräne-Operation Narben zurück?
Die Lage der Schnitte hängt von der Zielregion und der gewählten Operationstechnik ab.
Bei manchen endoskopischen Verfahren können die Schnitte innerhalb der behaarten Kopfhaut liegen. Auch bei offenen Eingriffen werden nach Möglichkeit behaarte Bereiche oder natürliche anatomische Falten genutzt.
Für keinen chirurgischen Eingriff lässt sich jedoch garantieren, dass keine Narbe zurückbleibt.
Wie sichtbar eine Narbe wird, hängt unter anderem von Hautbeschaffenheit, genetischen Faktoren, Schnittlage, Operationstechnik, Wundheilung und Nachsorge ab.
Migränechirurgische Abklärung bei Dr. Ali Bal
Dr. Ali Bal, Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, betrachtet bei der Abklärung die neurologische Diagnose, die Migräneanamnese und die peripheren Triggerregionen gemeinsam.
Die Operation wird nicht für alle Patienten gleich geplant. Ausschlaggebend sind der Ausgangspunkt und die Ausbreitung der Schmerzen sowie die individuellen anatomischen Verhältnisse.
Je nach Patient können folgende Methoden eingesetzt werden:
- ausführliche Migräneanamnese;
- Untersuchung der Triggerpunkte;
- Schmerzkartierung;
- Handdoppler;
- Nervenblockaden mit einem Lokalanästhetikum;
- Beurteilung der Triggerregionen mit Botox;
- Migränetagebuch.
Beurteilt werden die sechs Hauptregionen: frontal, zygomaticotemporal, rhinogen, die Region des großen Okzipitalnervs, auriculotemporal und die Region des kleinen Okzipitalnervs.
Wird eine operative Eignung festgestellt, wird für die betreffende Region oder die Regionen ein passendes endoskopisches oder offenes Verfahren geplant.
Auch nach dem Eingriff werden Häufigkeit und Stärke der Migräne sowie der klinische Verlauf beobachtet, um das Ergebnis im weiteren Verlauf beurteilen zu können.
Häufige Fragen zur Migränechirurgie
Kommt eine Operation für jeden Migränepatienten infrage?
Nein. Sie kann bei ausgewählten Patienten erwogen werden, deren Migränediagnose neurologisch bestätigt ist, bei denen geeignete medikamentöse Therapien geprüft wurden und deren periphere Triggerregionen für eine chirurgische Abklärung infrage kommen.
Ist die Migräne-Operation ein Eingriff am Gehirn?
Nein. Es wird nicht im Inneren des Gehirns operiert. Ziel sind periphere sensible Nerven im Kopf- und Halsbereich und ihr Verhältnis zu den umgebenden anatomischen Strukturen.
Kann eine Operation Migräneattacken vollständig beseitigen?
Bei manchen Patienten wird über einen deutlichen Rückgang oder ein vollständiges Ausbleiben der Attacken berichtet. Das lässt sich jedoch nicht für alle garantieren. Patientenauswahl, Triggerregionen und individuelle Anatomie können das Ergebnis beeinflussen.
Wie viele Triggerregionen werden untersucht?
Im Mittelpunkt stehen sechs Regionen: frontal, zygomaticotemporal, rhinogen, die Region des großen Okzipitalnervs, auriculotemporal und die Region des kleinen Okzipitalnervs. Bei einem Patienten können mehrere gleichzeitig aktiv sein.
Wie wird eine Triggerregion gefunden?
Neben Anamnese und körperlicher Untersuchung können je nach Patient Schmerzkartierung, Handdoppler, lokale Nervenblockaden, Botox und ein Migränetagebuch eingesetzt werden.
Bedeutet ein gutes Ansprechen auf Botox, dass eine Operation geeignet ist?
Eine positive Reaktion auf Botox kann die chirurgische Beurteilung unterstützen. Sie reicht allein aber nicht aus, um über eine Operation zu entscheiden, und wird zusammen mit den übrigen klinischen Befunden bewertet.
Warum wird eine Nervenblockade durchgeführt?
Eine Nervenblockade mit einem Lokalanästhetikum kann helfen, die Rolle einer vermuteten peripheren Triggerregion bei den Schmerzen zu beurteilen. Ein positives Ansprechen kann zusätzliche klinische Hinweise für die Wahl einer operativen Zielregion liefern.
Wozu dient die Doppleruntersuchung?
In manchen Triggerregionen liegen periphere Nerven eng neben Gefäßen. Ein Handdoppler kann helfen, ein Gefäß am Ausgangspunkt der Schmerzen zu lokalisieren, insbesondere in der auriculotemporalen Region.
Wird Migräne endoskopisch operiert?
Nicht jede Region wird auf dieselbe Weise behandelt. An der Stirn und in manchen Schläfenregionen können endoskopische Verfahren eingesetzt werden. An okzipitalen oder auriculotemporalen Triggerregionen kann ein offener peripherer Zugang bevorzugt werden. Rhinogene Regionen lassen sich gegebenenfalls durch das Naseninnere behandeln. Die Methode richtet sich nach Patient und Zielregion.
Ist immer eine Vollnarkose erforderlich?
Nein. Je nach Umfang des Eingriffs kommen örtliche Betäubung, Sedierung oder Vollnarkose infrage. Das geeignete Verfahren wird bei der Operationsplanung festgelegt.
Können mehrere Triggerregionen in einer Sitzung behandelt werden?
Bei geeigneten Patienten können mehrere aktive Regionen in denselben Operationsplan einbezogen werden. Ob dies erforderlich ist, hängt vom individuellen Schmerzmuster und den anatomischen Befunden ab.
Kann nach der Operation eine andere Triggerregion auffallen?
Nach der Behandlung einer dominanten Triggerregion kann bei manchen Patienten eine zuvor unauffällige weitere Region hervortreten. In der Literatur wird dies als „secondary trigger site“, also sekundäre Triggerregion, bezeichnet.
Wann lässt sich der Operationserfolg erkennen?
Die Heilung des operierten Gewebes kann innerhalb einiger Wochen voranschreiten. Veränderungen der Migränehäufigkeit und -stärke lassen sich jedoch erst bei längerer Nachbeobachtung beurteilen. Studien bewerten die Ergebnisse häufig nach sechs und zwölf Monaten.


